Datenschutz: Datenfreigabe gegen Mehrwert

Digital | 0 Kommentare | von Claudia Hilker

Wie sehen Internetnutzer das Thema Datenschutz? Wir haben schon einige Beiträge dazu geschrieben, z.B. zur Ethik im Datenschutz und Datenschutz in Social Media. Das Marktforschungsunternehmen Bitkom Research des Digitalverbandes Bitkom hat jetzt dazu eine Umfrage vorgenommen, die interessante Ergebnisse zeigt. Anbei einige Einblicke.

Einstellung zur Datenfreigabe

Von den Befragten verzichten zwei Drittel (67 Prozent) auf die Nutzung von Online-Diensten, die eine Registrierung mit persönlichen Daten, wie E-Mailadresse benötigt. Laut Umfrage hat das den Grund, dass die Befragten befürchten, dass ihre Daten missbraucht werden. Für die Umfrage wurden 1.013 bzw. 1.009 Internetnutzer in Deutschland ab 14 Jahren befragt.

Quelle: Hilker Consulting

Quelle: Hilker Consulting

Anhand dieser Ergebnisse erkennt man, dass in der deutschen Bevölkerung bei der Weitergabe von Nutzerdaten eine große Vorsicht und Skepsis besteht. 87 Prozent der Befragten haben angegeben, auf soziale Netzwerke und Online-Speicherdienste zu verzichten. Laut Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder machen die Nutzer vor der Registrierung eine einfache Kosten-Nutzen-Analyse: Welche Vorteile bringt mir der Dienst und was kann im schlimmsten Fall passieren? Die eigenen Daten werden also nicht unüberlegt herausgegeben. Man hinterfragt zunächst, welchen Mehrwert das Angebot hat bevor man dem Tauschgeschäft „Datenfreigabe gegen Mehrwert“ zustimmt.

Übersichtliche und klare Datenschutzerklärungen

Ein bedeutender Grund für die bestehende Skepsis ist ein zu geringes Wissen über Datenschutz.  Dies zeigt auch die folgende Grafik, da 68 Prozent der Befragten angegeben haben, über zu wenig Informationen für den Schutz ihrer Daten zu verfügen.

Datenschutz

Quelle: Hilker Consulting

Viele Erklärungen zum Datenschutz sind zu lang und zu unübersichtlich. Dadurch verlieren die Nutzer den Überblick. Um dies zu ändern, ist es aus Sicht der Bitkom nötig, die den Datenschutz betreffenden Gesetze zu vereinfachen, damit Nutzer kürzer und verständlicher über die Nutzung der erhobenen Daten informiert werden können. Rechtlich müssen Online-Dienste bisher nach der Gesetzgebung die Nutzer durch eine Datenschutzerklärung informieren und die Erlaubnis einholen, die Nutzerdaten verwenden zu dürfen.

Das Datenschutzgesetz ist überholt

Um für alle EU-Mitgliedsstaaten ein einheitliches Datenschutzgesetz zu bieten, soll das bestehende Datenschutzgesetz grundlegend erneuert und an den digitalen Grad der Bevölkerung angepasst werden. Laut Bitkom wird das bestehende Gesetz zum Datenschutz den herrschenden Umständen nicht mehr gerecht, da es sich nicht mit dem Digitalisierungsgrad der Bevölkerung vereinbaren lässt.  Für die weitere Handhabe dieses Vorgangs ist eine EU-Verordnung zum Datenschutz geplant. Diese Datenschutzverordnung soll das europäische Datenschutzrecht modernisieren und vereinheitlichen. Trotz des Modernisierungsvorhabens gibt es aber aus dem Blick der Digitalwirtschaft noch Verbesserungspotential, da die Daten-Verarbeitung bisher zu eingeengt ist. Das hat zur Folge, dass die technologische Entwicklung innovativer Produkte beschränkt ist. Die Wirtschaft muss die Chancen der Datennutzung nutzen können. Mediziner können z.B. durch Big-Data Analysen innerhalb kürzester Zeit individuelle Therapien für Patienten auswählen. Dazu muss der Nutzen der Daten-Erhebung in den Mittelpunkt gestellt werden.

Problematik der Big-Data-Analysen

Big-Data-Analysen haben das Ziel, aus einem vorhandenen Datenbestand neue Erkenntnisse zu gewinnen. Deshalb ist es bei der Erhebung von Daten selten möglich, alle Analyse- und Verwendungszwecke vorauszusehen. Der Grundsatz der Zweckbindung von erhobenen Daten ist bei diesen daher besonders problematisch. Innerhalb des deutschen Datenschutzrechtes haben Unternehmen die Erlaubnis zur Weiterverarbeitung von Daten, sofern bei diesen ein berechtigtes Interesse besteht und es dabei keine Betroffenen gibt.
Fazit: Laut Bitkom hat das aktuelle Datenschutzrecht große Schwächen, weil Anreize zur Anonymisierung von personenbezogenen Daten fehlen. Die Daten-Anonymisierung würde die Praxis erleichtern. Damit könnten Daten genutzt werden, ohne das erkannt wird, von wem die Daten kommen. Wichtig bleibt jedoch aus Unternehmersicht gute Argumente zum Deal zu liefern: „Kunden-Datenfreigabe gegen Angebot-Mehrwert“. Wenn das Unternehmen mit dem Leistungsangebot keine attraktiven Mehrwerte bietet,  wird der Kunde den Deal ausschlagen. 


Download Whitepaper: Krisenkommunikation

Weitere Beiträge zu dem Thema
Tags: , ,

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie k$ouml;nnen diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>