Die Digitalisierung in der Medienbranche

Digital | 0 Kommentare | von Claudia Hilker

Die Digitalisierung zieht sich durch alle Branchen. Wie wirkt sie sich auf die Medienbranche aus, deren ursprüngliches Geschäft bei der Herausgabe von Printmedien liegt? Um diese Frage beantworten zu können, hat die Wirtschaftswoche über den Twitter-Livestreaming Dienst Periscope eine Liveübertragung eines Terrassengespräches gesendet. Bei diesem Gespräch waren Julia Jäkel von Gruner+Jahr und Gabor Steingart von der Verlagsgruppe Handelsblatt zu Gast. Hier geben wir Ihnen einen Überblick der Kernaussagen der Gesprächsrunde.

Verlagshäuser bauen Vertriebswege aus

Laut Julia Jäkel stehen Verlagshäuser in der Pflicht, die Redaktionsräume zu verlassen und zum Beispiel über soziale Netzwerke in den Kontakt und in die Kommunikation mit den Lesern zu treten. Das bedeutet, dass die Arbeit der Verlagshäuser in sozialen Netzwerken nicht einfach damit getan ist, Artikel und Beiträge zu veröffentlichen. Durch die Kommentarfunktion bei Facebook verfügen Leser über die Möglichkeit, Beiträge zu kommentieren. Verlagshäuser sind daher in der Pflicht, dies als Diskussionsplattform zu nutzen, um so die Interaktion mit den Lesern voranzutreiben.

Weiterhin findet laut Julia Jäkel bei Gruner+Jahr eine starke Veränderung statt. Analoge Geschäftsfelder, welche in der Digitalisierung schlecht laufen, werden ausgelagert und abgestoßen, wobei auch ein Umsatzrückgang in Kauf genommen wird. Gleichzeitig finden deutliche Investitionen und ein damit verbundener starker Ausbau des Digitalgeschäftes statt. Machte der Anteil des Digitalgeschäftes an der Kernmarke im letzten Jahr bei Gruner + Jahr noch 17 Prozent aus, erhöhte sich dieser in diesem Jahr um 20 Prozent. Die Zeit kann zwischen fünf und sechs Prozent an digitaler Abonnements verzeichnen und der Spiegel sieben bis acht.

In der Zeit der Digitalisierung stützt sich die Verlagsgruppe Handelsblatt mit dem klassischen Printgeschäft, dem wachsenden Onlinegeschäft und dem Bereich ,,360 Grad‘‘ auf drei Bereiche. Die Besonderheit dieser Strategie liegt an dem Bereich 360 Grad, welcher als Beratungsgeschäft aufgebaut ist, durch das Unternehmen dabei unterstützt werden, ihre jeweilige Kundengruppe durch Nutzung von Multimedia-Werkzeugen individuell zu erreichen

Die persönliche Ansprache des Kunden ist wichtig

DigitalisierungDas Handelsblatt veröffentlicht täglich ein Morning Briefing, welches den Lesern per E-Mail die wichtigsten Statusupdates aus Wirtschaft und Politik bietet und welches als Zitat Steingarts täglich auf Facebook veröffentlicht wird. Die Inspiration erhielt Steingart dabei durch Barack Obamas Präsidentschaftswahlkampf von 2013. Während dieses Wahlkampfes wurden regelmäßig E-Mails mit persönlicher Anrede verschickt. Das führte damals bei Millionen Amerikanern zu einer derartig positiven Resonanz, sodass diese Maßnahme dazu beitrug, Barack Obama ins Weiße Haus zu verhelfen. Steingart war im Anschluss der Meinung ,,Was der kann, das können wir hier auch‘‘ und heute erreicht das Morning Briefing in Deutschland bis zu 500.000 Leser und die kürzlich lancierte englische Version kann 100.000 Leser vorweisen.

Medienhäuser müssen auf die Zukunft achten

Dieses Element der Kommunikation zeigt, dass sich Medienhäuser in der Digitalisierung keine vergangenheitsbezogene Kultur mehr leisten können, bei der das Hauptaugenmerk auf der schlichten Herausgabe von Zeitungen liegt, sondern an die Leser über unterschiedliche Kommunikationskanäle herantreten müssen.

Ein weiterer Schritt der Verlagsgruppe Handelsblatt, der Digitalisierung zu begegnen ist der Digitalpass des Handelsblattes und der WirtschaftsWoche, welcher vor kurzer Zeit gestartet ist. Er bietet den Nutzern Premiuminhalte, wie zusätzliche Informationen zu Artikeln, ab 20 Uhr ein E-Paper und wird über die Handelsblatt-App, sowie die Internetseite genutzt. Es ist ein derartiger Erfolg zu verzeichnen, dass bereits jetzt ein Kundenstamm von 15.000 Kunden bis Ende des Jahres absehbar ist.  Dies stellt einen Erfolg von 20 Prozent über dem ursprünglichen Ziel dar.

,,Ein gescheitertes Projekt wäre fast ein gutes Projekt‘‘

DigitalisierungDie Digitalisierung fordert innovative Modelle. Scheitert dabei ein Projekt, ist dies laut Julia Jäkel fast ein gutes Projekt, da dadurch gezeigt wird, welche Wege falsch sind und wie man eher hätte verfahren sollen. Das Scheitern eines Projektes stellt dadurch einen Neuanfang dar. Um innovative Modelle entwickeln zu können, bedarf es laut Gabor Steingart einer frischen Kultur, welche durch die vorhandene Flexibilität neue Energien freisetzt.

Bei Gruner + Jahr arbeiten beispielsweise in dem neu gegründeten Magazin Flow Teams zusammen, welche sich aus verschiedenen Ressorts und Markenfamilien zusammensetzen. Dies schafft eine neue Art der Zusammenarbeit, da unterschiedliche Eindrücke und unterschiedliche Erfahrungen zusammentreffen und für das Entstehen erfolgreicher und neuer Medienprodukte genutzt werden können.

Die Digitalisierung fordert individuelle Wege

Um in der Digitalisierung bestehen zu können, müssen Verlage eigene Wege gehen und individuelle Produkte und Lösungen entwickeln, welche sich von den Konkurrenzprodukten abheben. Dabei reicht es nicht, vorhandene und erfolgreich laufende Modelle zu adaptieren, sondern die angebotenen Modelle müssen auf die Lesergruppen zugeschnitten sein. Als Beispiel hierfür ist das Morning Briefing des Handelsblattes zu nennen, welches täglich per E-Mail mit persönlicher Anrede an die Leser versendet wird. Die Tatsache, dass ausgewählte Zitate aus dem Morning Briefing als Post über die Facebook-Page des Handelsblattes veröffentlicht werden, spricht noch einmal eine breitere Masse an.

Seitens Julia Jäkel, der Chefin von Gruner+Jahr, verdeutlicht die nötige Individualität von Verlagshäusern auf eine andere Art. Die Zeitschrift ,,Schöner Wohnen‘‘ sollte ursprünglich eine herkömmliche Berichterstattung über Wohntrends sein und hat sich bis zum jetzigen Zeitpunkt zu einem Anbieter von ,,Living Content‘‘ entwickelt, bei dem Zusatzinformationen zu den Produkten, wie zum Beispiel Erwerbsmöglichkeiten gegeben werden. Darüber hinaus müssen neue Kooperationswege innerhalb von Teams geschaffen werden, die eine flexiblere Art der Zusammenarbeit schaffen und unterschiedliche Erfahrungen aufeinander treffen, wobei neue und innovative Produkte entstehen.

Fazit: Die Digitalisierung ist für die Medien-Branche eine immense Herausforderung. Das Internet hat enorme Auswirkungen auf die Preisgestaltung am Markt. Viele Verlage, Medien-Anbieter und -Produzenten stellen fest, dass sich Produkte, Dienstleistungen und Services massiv verändern müssen. Deshalb müssen sich Medien-Unternehmen diesem Wandel stellen. Sie benötigen neue Absatzstrukturen, zeitgerechte Kommunikationsformen und neue Prozesse.

Weitere Beiträge zu dem Thema

> Die digitale Transformation des Marketing

> Change-Wie gelingt er?

> Digitale Strategie in Unternehmen

Tags: , , ,

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie k$ouml;nnen diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>