Digitalisierung und Nachhaltigkeit – Megatrends kollidieren

Leadership | 0 Kommentare | von Claudia Hilker

Wie nachhaltig ist Digitalisierung? Im Experten-Interview mit Désirée Schubert geht es um genau diese Frage. Désirée Schubert ist Nachhaltigkeitsberaterin und Kommunikationsexpertin der Fährmann Unternehmensberatung in München und Nachhaltigkeitsbeauftragte des AMC, dem moderierten Branchennetzwerk für die Assekuranz.

Wie definieren Sie Nachhaltigkeit, Frau Schubert?

Interview

Désirée Schubert

Gern werden im Kontext der Nachhaltigkeit die Begriffe Corporate (Social) Responsibility oder auch Corporate Sustainabilty and Responsibility, kurz CR oder CSR synonym verwendet. Bei aller Unschärfe in den Begrifflichkeiten verstehen wir beim Fährmann Nachhaltigkeit vor allem als Übersetzungsleistung. Dabei geht es um die Balance zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen in der Unternehmenstätigkeit. Wie diese Balance herzustellen ist, sieht bei Unternehmen anders aus – Nachhaltigkeit muss für jedes Unternehmen übersetzt werden.

Wo trifft Digitalisierung auf Nachhaltigkeit?

Zunächst könnte man sagen, dass Nachhaltigkeit und Digitalisierung die Megatrend-Stars unserer Zeit sind. Die Digitalisierung fordert massive Veränderungen von Unternehmen: Big Data, Industrie 4.0 und Social Media gehören zum neuen Alltag.

Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und Wirtschaft von Grund auf. Das zeigt sich in der Produktion, im Handel, bei Dienstleistungen, im Verkehr und letztlich im Konsumverhalten. Unternehmen mit traditionellen Geschäftsmodellen sehen sich häufig neuer, digitaler Konkurrenz gegenüber, das gilt natürlich auch für Versicherer (Stichwort Fintechs). Und auch die Gesellschaft entwickelt und verändert sich dank der Digitalisierung immer schneller.

Die Unternehmensperspektive:

Die Digitalisierung bringt hochdynamische und schnelllebige Märkte hervor, in denen es darum geht neue Kunden zu gewinnen sowie neue Produkte und Services zu entwickeln. Aber auch darum, Risiken zu minimieren, die aus disruptiven Innovationen, neuen Geschäftsmodellen und durch neue Wettbewerber in der digitalen Welt entstehen können.

Es liegt auf der Hand, dass die Auswirkungen der Digitalisierung mit ihren Anforderungen an Innovation und Anpassung der Geschäftsprozesse auch Veränderung der Unternehmenskultur beinhalten. Es verändern sich maßgeblich die Prozesse zwischen Unternehmen und Kunden, Produkte und Dienstleistungen sowie Wertschöpfung und Geschäftsmodelle.

Die Digitalisierung hat auf unternehmerischer als auch auf privat-menschlicher Ebene einen massiven Einfluss – und Nachhaltigkeit steckt mehr oder weniger drin. Man kann diese beiden Bereiche überschreiben mit „Industrie 4.0“ und „Smart Living“. Letzteres meint vor allem den Einfluss der Digitalisierung auf die konsumtive Lebenswelt aus Freizeit, Familie und Freundeskreis.

Die gesellschaftliche Perspektive:

Wir erwarten von der Digitalisierung eine grundlegende und nachhaltige Wirkung auf die Gesellschaft. Jeder kennt mittlerweile Begriffe wie „Smart Home“, „Smart Mobility“ oder  „Smart Health“.

In allen Lebensbereichen geht es letztlich um die digitale Unterstützung: Vernetzte, automatisierte Technik wirkt der Vergeudung von Zeit und Ressourcen entgegen. Die digitale Überwachung und Beeinflussung der Gesundheit hat bereits weite Kreise gezogen. Wer kennt sie nicht die mehr oder weniger attraktiven wearables, die zur Fitnesssteigerung am Handgelenk baumeln? Oder aus dem Bereich der Mobilität die – dank Digitalisierung – sehr bequem gewordenen CarSharing Angebote?

Durch die positive Brille betrachtet hilft uns die Digitalisierung also dabei Ressourcen zu sparen, die Umwelt weniger zu belasten, wertvolle Zeit zu gewinnen und der Gesundheit Gutes zu tun. Setzt man diese rosa Brille ab, so müsste man zumindest über Rebound-Effekte (Effizienzsteigerung führen zu erhöhtem Verbrauch) sprechen.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf das Nachhaltigkeitsmanagement?

Auch das Nachhaltigkeitsmanagement wird durch Big Data und Social Media beeinflusst. So erfährt es vor allem durch Clouds und Computer eine gute Unterstützung. Bequemer gelingt so in Zeiten der Digitalisierung die Informationsbeschaffung, die Koordination sowie die kommunikative Außendarstellung der Nachhaltigkeitsleistung. Damit beeinflusst die Digitalisierung wesentliche Disziplinen des Nachhaltigkeitsmanagements: Input, Unternehmens-Transformation und Output.

Wie beeinflusst Digitalisierung den Menschen, sprich den Nachhaltigkeitsmanager?

Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager finden in der Digitalisierung durchaus Unterstützung. Ihr Aufgabenfeld und Berufsbild lässt sich allerdings nicht digital einlesen oder gar ausfüllen. Sie müssen nach wie vor in Eigenregie ihre Schlüsse ziehen, Daten bewerten und aufbereiten. In Zeiten von Big Data wird es nicht leichter zu entscheiden, was relevant ist und in welcher Form relevante Informationen über die passenden Kanäle (Stichwort Social Media) an die anvisierte Zielgruppe gesendet werden. Die Kernleistungen eines Nachhaltigkeitsmanagers bleiben also zuhöchst menschlich.

Jedoch bringt die digitalisierte Arbeitswelt einige Herausforderungen mit: So werden eigenverantwortliches Handeln, permanente Selbstoptimierung, gruppendynamische Prozesse sowie eine schnelle Verständigung in sozialen Netzwerken immer relevanter. Mit der Digitalisierung avancieren innerbetriebliches Networking, Bildungsarbeit und soziale Durchsetzungsstärke zu Schlüsselkompetenzen des Nachhaltigkeitsmanagers.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Sie als Nachhaltigkeitsberaterin?

Wir verstehen uns als Impulsgeber und Unterstützer von Nachhaltigkeitsmanagern. Daher  setzen wir dort an, wo wir ihre Kompetenzen stärken und fördern können, damit sie ihre steuernden Tätigkeiten hin zu mehr unternehmerischer Nachhaltigkeit optimal ausführen und ausleben können.

Auch hier kann die Digitalisierung in Form von bespielbaren (Kommunikations-)Kanälen hilfreich sein. Allerdings geht es in erster Linie um die Unterstützung bei der Bewältigung jener Optimierungsaufgaben, die nur bedingt einer klaren und einheitlichen Logik folgen. Es geht ja im Nachhaltigkeitsmanagement nicht um das Abarbeiten von Kriterien, sondern eher um ein ringen nach der jeweils besten und passendsten Lösung.

Nachhaltigkeitsmanager sind tagtäglich bemüht einen Ausgleich von Interessen sowie eine Balance zwischen sozialen, ökologischen und ökonomischen Ansprüchen herzustellen. Dies erfordert für jedes Unternehmen eine eigene Übersetzung von Nachhaltigkeit und eigene intelligente Ansätze zur Überwindung von Widerständen. Hier setzen wir mit Schulungen und Coachings an – Face to Face – oder mit digitaler Unterstützung via Skype und Co.

Fazit: Dank Désirée Schuberts Wissen und Expertise konnten wir die Frage, ob Digitalisierung nachhaltig ist, umfassend behandeln. Wenn Sie mehr über das Thema erfahren wollen, lesen Sie auch, wie eine digitalisierte Welt in der Zukunft aussehen könnte.

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